Dreh‘ dich nicht um, der Bot geht um…?

Ich würde sagen: Dreh dich um und schau ganz genau hin!

Der Bot ist nicht zu verwechseln mit Künstlicher Intelligenz.
Den ersten Bot gab es schon 1964. Er hieß ELIZA, sollte eine Psychotherapeutin mimen und basierte auf einem relativ simplen Code in Verknüpfung mit dem Thesaurus. Mit diesem Trick, aus einem Wort übergeordnete Wortfamilien zu finden und dem Nutzer als Frage widerzuspiegeln (Nutzer:„Ich habe heute mit meinem Vater telefoniert“ >> Vater=Familie >> ELIZA: Erzähle mir mehr zu deiner Familie!“), war zwischen Mensch und Maschine plötzlich eine Konversation möglich. Kam das System an seine programmierte Grenze, behalf es sich mit Ausweichsätzen („Das habe ich nicht verstanden, kannst du mir das erklären?“).

Erstaunlicherweise kam der Bot bei den Nutzern gar nicht so schlecht an, wie sich der Erfinder das vorgestellt hatte – eigentlich wollte er beweisen, dass die Interaktion zwischen Bot und Mensch für letzteren unbefriedigend und daher vernachlässigenswert ist. Entgegen dieser Hypothese waren einige User so überzeugt von Eliza, dass sie in Tests darum baten, mit dem Rechner alleine sprechen zu dürfen. Dass dahinter ein „dummes Script“ steckte, das nicht lernfähig war, war plötzlich nebensache. ELIZA wurde zum echten Gesprächspartner. Und ihr Erfinder, Josef Weizenbaum, wurde einer der führenden Kritiker von Künstlicher Intelligenz.


Die Idee der Kommunikation von Mensch mit Maschine hat seitdem aber nicht mehr an Spannung verloren, Kritik hin oder her. Spätestens seit Facebook 2015 seinen Messenger für eigen-programmierte Bots öffnete, war das Austesten der Möglichkeiten von Bots nicht mehr nur großen Firmen vorbehalten.

Die momentan spannendste Entwicklung ist definitiv die Sprach-Assistenz mit Alexa, Siri und Co., deren Grundlage Machine Learning ist. Das heißt: Je mehr man mit ihnen interagiert, desto schlauer werden sie und desto mehr können sie auf ihren Nutzer eingehen.

Ein Bot kann mit KI gekoppelt sein, er muss es aber nicht. Klassisch ist z.B. der Kunden-Support-Bot, der leider nur die FAQs auswendig gelernt hat und bei einer abweichenden Fragestellung ziemlich dumm dasteht.

Bots im HR

Im HR kennen wir den Bot vor allem als Hype im Recruiting- aber Vorsicht: Wenn niemand aus deinem Team Zeit hat, sich um den Bot zu kümmern, das heißt, ihn weiter zu trainieren und damit „schlauer“ zu machen, dann legt euch ihn euch erst gar nicht zu.

Ich habe es mal ausprobiert und leider festgestellt, dass die User-Experience gegen 0 sinkt, wenn bereits die simple Frage nach Teilzeit-Optionen dazu führt, dass der Bot seinen menschlichen Dompteur fragen muss – und dieser nicht antwortet. Als Nutzer bleibt man also direkt bei der ersten Frage stecken. Innovativ geht irgendwie anders. Über den klassischen Weg per Mail wäre meine Anfrage vielleicht besser aufgehoben gewesen.

Künstliche Intelligenz im HR – erstrebenswert oder fehl am Platz?

Schlechte Nachrichten: Die dringendste Frage im HR lautet nicht mehr, ob KI kommt, sondern: Wann ist KI so weit, uns als HR wirklich abzuschaffen?
Das weiß momentan niemand so genau. Vorstöße in dem Bereich der KI für HR gab es in letzter Zeit vor allem durch IBMs Watson. Hier können wir also darauf warten, dass bei dem Software-Riesen genug Nutzer aufspringen, um das System weiter reifen zu lassen. Ohne die „echte Welt“ bleibt Künstliche Intelligenz leider dumm. Klingt paradox, ist aber so.

Aber KI hin oder her: Wenn die Interpretation und Vernetzung von Daten vollautomatisch passiert, kann es auch vollautomatisch in die Hose gehen. Ist natürlich etwas unwahrscheinlicher als bei dem berühmten Prinzip „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ – aber hier weiß ich wenigstens, was ich manipuliert habe. Wenn das System a.k.a. der Algorithmus einen Fehler aufweist und niemand ist da, der es merkt, was dann?!

Oder denken wir mal etwas krimineller: Wenn mein Konkurrent mein System manipuliert, damit ich die falschen Schlüsse für mein Unternehmen ziehe- was dann?

Wenn KI keine Spielerei ist, was ist sie dann?

Bots und Künstliche Intelligenz halten immer weiter Einzug in die „normale Welt“. Als wir 2003 im Englisch-Unterricht „Minority Report“ schauten (dessen Vorlage übrigens aus dem Jahr 1956 stammt), hatte ich ein ungutes Gefühl im Bauch, an das ich mich heute noch erinnern kann. Diese Spinnen-Augenscanner-Dinger waren aber auch gruselig.

Heute kann sich jeder eine Drohne kaufen und einfach selbst ein bisschen Vogel spielen oder spionieren- ganz nach belieben. Man braucht für den Gesichtserkennungs-Vibe nur zum Berliner Südkreuz fahren und das Iphone hat dich eh nur noch lieb, wenn du ihm deine kompletten biometrischen Daten überlässt.

Die Netflix-Serie „Black Mirror“ schafft es sehr gut, die Vor- und Nachteile einer Welt voller Künstlicher Intelligenz aufzuzeigen. Zwischen Totalüberwachung und virtueller Identität bleibt aber momentan noch vieles denkbar. Der Diskurs dazu ist aber noch nicht so richtig in Gang gekommen. So ein Exoskelett ist ja was feines und hilft dem Menschen und der DHL-Paketbot wird auch mal gerne von der Straße gekickt. Künstliche Intelligenz als witzige Spielerei abzutun, ist aber definitiv die falsche herangehensweise.

Ich möchte keine Dystopie herbeibeschwören, weil uns KI auch eine Menge Annehmlichkeiten bescheren wird, aber es wäre fatal, wenn wir in unsere Gehirne einfach ausschalten würden, in der Hoffnung, dass eine Maschine das alles schon besser kann.

Die Verantwortung von HR in der Arbeitswelt von morgen.

Gerade HR hat eine wichtige Verantwortung im Unternehmen: Die geschäftlichen Interessen eines Vorstands oder Geschäftsführung mit den persönlichen Interessen der Mitarbeiter zu verbinden. Nicht alles, was machbar ist, geht. Nicht alles, was geht, ist im Sinne einer Arbeitsethik.

Ich denke, HR wird sich in Zukunft noch viel mehr Gedanken zu Unternehmenskultur, Arbeitsethik und Kollaboration machen müssen. Vor allem auch Gedanken darüber, wie man sinnvoll die künstliche Intelligenz mit der menschlichen Intelligenz kombinieren kann. Wie man die Maschinen-getriebene Aussagen richtig übersetzt und in sinnvolle Handlungsstränge für das eigene Unternehmen übersetzt – das wird keine triviale Aufgabe.

Was genau ich damit meine? Darüber gibt es dann mehr in einem zweiten Artikel zu lesen, der sich mit den HR-Skills der Zukunft beschäftigen wird. Seid gespannt! 😊

Was denkst du zu Bots und Künstlicher Intelligenz im HR? Freust du dich darauf? Oder hast du Angst, irgendwann vom Bot abgehängt zu werden? Ich freue mich auf deinen Konmentar!

Ein Gedanke zu “Dreh‘ dich nicht um, der Bot geht um…?

  1. recrutainment schreibt:

    Ich habe mir dazu mal so meine Gedanken gemacht: http://blog.zukunft-personal.de/de/2017/09/05/recruiting-2030-ueber-bots-und-algorithmen-zu-einer-neuen-menschlichkeit/
    Eine kulturoptimistische Perspektive lautet: die Maschine übernimmt große Teile der Routinen und es entsteht wieder Freiraum für Menschlichkeit in der HR. Das kulturpessimistische Szenario: die überflüssigen HR-(Menschen) werden wegrationalisiert… Für Szenario 1 wird HR kämpfen müssen…

    Gefällt 1 Person

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