Raus aus der Komfortzone – 3 Tipps, wie du erfolgreich deinen Job wechselst

Länger habe ich auf hrisnotacrime nichts gepostet. Das hing zum einen damit zusammen, dass Jannis und ich unser Buch “HR True Story” endlich beim Verlag abgeben mussten. Zum anderen aber auch daran, dass ich im letzten Dezember meinen Job gewechselt habe. Ich arbeite nun in einem jungen Unternehmen mit dem schönen Namen Jobufo und bin dort auch u.a. für den Content-Aufbau verantwortlich. Das kostet natürlich Zeit und ich stecke meine Schreib-Kreativität gerade in diesen Part. Und so ein Jobwechsel ist eben auch anstrengend: Neue Umgebung, neue Themen, neue Kollegen, die man erstmal kennenlernen muss…

Ein Jobwechsel ist eigentlich nie wirklich romantisch. Aber darüber erzählt man halt nicht so gerne. Weil natürlich niemand gerne zugibt, dass nicht immer alles so rosarot ist in der eigenen Karriere, wie es aussieht. Und man vielleicht den 3. Abend in folge Spaghetti isst, weil man nicht so recht zum einkaufen kam.

Warum ich euch das alles erzähle? Je mehr Leute ich kennen lerne durch die ganzen Veranstaltungen, Messen, Vorträge, Konferenzen – desto öfter kommen Menschen auf mich zu, die mich zu meinem Werdegang fragen. Oder die um einen Rat und Hilfe bitten, weil sie ihren Job wechseln möchten. Gerade bei einem Wunsch nach einem Quereinstieg oder einem Wunsch nach struktureller Veränderung (Konzern zu Startup oder umgekehrt), hat man es als Bewerber gar nicht leicht auf dem Jobmarkt. Steffi von quitandjump hat erst letztens mit großem Echo darüber gebloggt, wie es für sie war, einen Quereinstieg und gleichzeitig Konzern-Ausstieg zu wagen.

Ich habe mir aus meiner Sicht und aus meinen Erfahrungen mal ein paar Gedanken gemacht, wie so ein Jobwechsel funktionieren kann und welche Stolpersteine Euch auf dem Weg zum neuen Job erwarten könnten.

Raus aus der Komfortzone – 3 Tipps wie du erfolgreich deinen Job wechselst

 

1.Tipp: Mache dir klar, ob du wirklich bereit bist, deine Komfortzone zu verlassen

Immer öfter kommen Konzern-Angestellte auf mich zu und drücken mir ihre Bewunderung zu meinem Werdegang aus. “Das muss man sich erstmal trauen”, “das hätte ich mich nie getraut”, “das würde ich ja auch gerne, aber…”

Und das ABER ist genau das Problem an der Sache. Ich habe auch lange meine “Aber”-Fahne hochgehalten. Und was soll ich euch sagen, Leute. Bei einem Jobwechsel (insbesondere in ein agiles Umfeld), da gibt es tausende “Aber”.
“Aber die Zahlen nicht so viel/nicht mehr als jetzt.” “Aber dann habe ich wieder eine Probezeit, aber ich weiß gar nicht, ob das was für mich ist…, aber dann kann ich keine Überstunden mehr abbauen, aber dann fall ich ja aus der Betriebsrente raus…”

Das größte “Aber” ist nunmal deine Komfortzone und dein innerer Schweinehund. Ich kann dir aus meiner Erfahrung heraus sagen: Ja, es ist oft so, dass du gehaltlich nicht besser gestellt bist, wenn du einen Konzern mit Tarifvertrag oder einen erfolgreichen Mittelständler für ein dynamisches Umfeld verlässt. Und ja, gerade bei einem Quereinstieg musst du ggf. mit starken Gehaltseinbußen rechnen. Ja, es gibt in einem Startup-Umfeld oft weniger Urlaub. Und wenn das Startup gut organisiert ist und wachsen will, dann wirst du mehr arbeiten als zu den Zeiten, als du noch deine Überstunden aufschreiben und abbauen konntest.

Und ja, du wirst dir vermutlich manchmal richtig dumm und unwissend vorkommen, weil du vorher mit manchen Dingen noch nie wirklich in Berührung gekommen bist (Scrum, Agile, such dir noch ein paar Buzzwords aus, aber es ist so ;).

Bist du dazu bereit, nicht nur deine “perfekte Karriere”, die dir in Deutschland eingetrichtert wird zu denken, sondern deine unperfekte Lernreise anzutreten? Dann sage ich: Herzlichen Glückwunsch! Du bist bereit für deinen Jobwechsel raus aus deiner Komfortzone. Viele tolle neue Erfahrungen warten auf dich!

2.Tipp: Vernetze dich mit Leuten außerhalb deiner Komfortzone

Ja, das nächste Buzzword: Networking! Hast du schon ein Netzwerk außerhalb deiner Firmen- und Job-Komfortzone? Wenn nicht, dann solltest du dir ein solchen Netzwerk aufbauen! Wie man das macht? Schau mal auf Meetups oder bei Eventbrite, ob du ein für dich passendes Event findest. Knüpfe Kontakte auf Messen, Veranstaltungen und auch im virtuellen Raum.

Nutze unbedingt LinkedIn, und nimm dir auch Zeit, den Feed dort anzuschauen. Das schöne (und manchmal auch überwältigende) an LinkedIn ist nämlich die Vielzahl der Postings. Dadurch, dass du auch Inhalte angezeigt bekommst, die von Kontakten 2. oder 3. Grades stammen, erweitert sich ganz automatisch dein Horizont. Einiges wirst du wegtreiben lassen, anderes wirst du dir genauer durchlesen. Und dann solltest du dich auch mit der Person, die das gepostet hat, vernetzen. Dadurch ergeben sich oft spannende Gespräche und Impulse.

Ob virtuell oder persönlich beim Mittagessen oder bei einem Kaffee, es kostet Zeit, sein Komfort-Netzwerk zu verlassen. Aber wenn du erstmal die positiven Aspekte kennen gelernt hast, dann willst du sie nicht mehr missen.

Gerade Job-ferne Kontakte geben dir spannende Einblicke in andere Unternehmen oder Wirtschaftsbereiche, von denen du vorher keine Ahnung hattest. Du erfährst die Bandbreite an wirtschaftlichen, sozialen und persönlichen Themen, die jeder mit sich herumträgt – und damit auch in Unternehmen hinein. Du lernst verschiedene Werdegänge kennen und kannst deine eigene Karriere in Perspektive rücken.

Ich habe z.B. genau durch so einen zufälligen Netzwerk-Kontakt die Gründer von meinem jetzigen Arbeitgeber kennengelernt. Und auch meinen vorherigen Job in einer Online Marketing Agentur habe ich über mein Netzwerk gefunden. Das Netzwerk gibt, das Netzwerk nimmt. Du wirst sehen: Nicht alle Kontakte werden direkt zu irgendwas führen. Besonders wichtig ist es, dass du entspannt bleibst und nicht dringend jeder von deiner Kompetenz überzeugen willst, nur weil du gerade einen Job suchst. Ein gutes Netzwerk braucht Zeit.

A propos Zeit…

3. Tipp: Verabschiede dich von dem Gedanken, dass die Job-Welt auf dich gewartet hat

Das wird jetzt hart, weil wir natürlich alle wissen: Wir sind ja wohl top ausgebildet und haben eine menge Ahnung und haben immer tolle Reviews im Halbjahres-Gespräch bekommen. Wir sind zuverlässig und arbeitswillig und überhaupt die beste Ergänzung für jedes Team.

Ich möchte dir jetzt nicht deinen Enthusiasmus absprechen. Der ist bei der Jobsuche ganz wichtig und das kribbeln vor dem Gespräch mit deinem vielleicht zukünftigen Arbeitgeber ist wichtig. Aber bitte schütze dich selbst vor allzu herben Enttäuschungen und backe kleine Gedanken-Brötchen. Mit Glaubenssätzen wie “das muss jetzt aber klappen” oder “die haben doch genau auf jemanden wie mich gewartet” gehst du a) aus meiner Sicht mit der falschen Erwartungshaltung ins Gespräch und machst dich b) sehr wahrscheinlich auch selbst damit unglücklich.

Im Jobinterview geht es natürlich schon darum, was du dir zutraust und welche Qualifikation und Eignung du mitbringst. Aber eben auch darum, zu verstehen, was das Unternehmen braucht, wo du dich vielleicht weiterentwickeln kannst und musst und wo eventuell deine momentanen Grenzen liegen. Das solltest du in einem guten Job-Interview auch ehrlich ausloten können.

Und manchmal tun die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen auch ein bisschen weh. Und es dauert eben länger, als man denkt. Mein erster Jobwechsel – raus aus dem Konzern und rein in die Agenturwelt – hat eineinhalb Jahre gedauert. Mit vielen Irrwegen und erfolglosen Bewerbungsgesprächen.

Der schwerste Part ist gleichzeitig der Beste: Nicht aufgeben und sich immer wieder selbst in Perspektive rücken

In meinem vorletzten Bewerbungsgespräch hat mich ein Geschäftsführer vor sehr schmerzhafte Tatsachen gestellt. Er sagte zu mir: “Eva, du kannst das alles, ich trau dir das alles zu. Aber wenn wir darüber sprechen, dann sind deine Augen nicht so lebendig, wie wenn wir Smalltalk halten. Wofür brennst du denn wirklich – das ist doch nicht die Personalleitung?!”

Was soll ich sagen: Zu diesem Zeitpunkt wusste ich es selbst nicht so genau. Ich war irgendwie unglücklich und suchte nach Perspektiven. Und in seiner Komfortzone des eigenen Job-Horizonts fischt es sich ja am besten. Schließlich weiß ich da ganz genau, was ich kann.

Nach dem Gespräch war ich richtig down und  hab mir viele Gedanken gemacht. Als mir klar wurde, dass ich eigentlich aus dem operativen HR raus möchte und wirklich etwas mit aufbauen und gestalten will – da kam wie aus dem nichts mein neuer Arbeitgeber um die Ecke. Und bot mir genau diese Chance.

Es klingt wie Schicksal, ist es aber nicht. Ich hab 7 harte Jahre darauf hingearbeitet, dass ich irgendwann in der jetzigen Position bin. Und was kann ich euch sagen: Auch hier wartet keine Komfortzone auf mich. Ich muss fast jeden Tag Neues lernen, auch Rückschläge hinnehmen und sehen, dass ich halt doch nicht alles immer direkt kann. Für jemanden wie mich, der unheimlich ungeduldig ist und sowieso immer alles besser weiß, ist das ein echter Lern- und Erfahrungstrip! 😉
Aber ich habe coole Kollegen um mich und eine tolle Aufgabe mit Sinn und Geschäftsführer, die mich wachsen lassen und so nehmen, wie ich bin.

Ihr seht also: Die Komfortzone zu verlassen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Im Gegenteil: Es ist richtig viel Arbeit. Aber die wird sich lohnen! Versprochen!

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