„Spende dein Talent“ – mit Unternehmenskultur Gutes tun

In meiner Firma gibt es ein schwarzes Sparschwein. Das steht in unserer Küche und wird von jedem gefüttert, der Türen knallt, seine Zugangskarten verliert oder der so waghalsig war, gegen die unangefochtenen Kicker- oder Fifa-Meister zu wetten.
Jedes halbe Jahr wird das Sparschwein durch meine Kollegin Stephanie geleert, die das Geld dann zur Arche e.V. in Berlin bringt.

Das ist alles eine sehr analoge Angelegenheit. Bei comspace, einer Agentur für Digitales, die zur Abwechslung mal im wunderschönen Bielefeld beheimatet ist, hat man sich zum Thema Spenden ganz eigene Gedanken gemacht.

Herausgekommen ist eine (durch den Bundesverband der Personalmanager ausgezeichnete) Plattform, die monetäres Spenden mit Unternehmenskultur verknüpft.

Wie das funktioniert, was Nepal damit zu tun hat und was sich bei comspace dadurch getan hat, haben mir Hanna und Sarah zunächst am Telefon erzählt. Nach dem Telefonat hat mir Hanna nochmal weitere Fragen zum Projekt „Spende dein Talent“ beantwortet.

Liebe Hanna, was genau ist die Idee hinter „Spende dein Talent“ und wie kamt ihr dazu?

Bei comspace machen wir uns schon eine Weile Gedanken, wie wir unser durch die Digitalisierung geprägtes Leben und unsere Werte mit in die Arbeitswelt einbringen können. Hinzu kam, dass ein Freund von mir aus Nepal nach dem schrecklichen Erdbeben Spenden gesammelt hat, den wir unterstützen wollten. Packt man diese Umstände zusammen, war es fast eine logische Konsequenz.

Der Grundgedanke ist simpel: Wir möchten, dass jeder Kollege alles was ihn/sie motiviert mit in das Unternehmen einbringt. Das können Potenziale aus dem vorherigen Job sein, aber auch Talente aus der Freizeit. Getreu dem Motto: Alles was dir gut tut, tut auch deinem Kollegen und deinem Unternehmen gut.

Die Mitarbeiter bringen diese Talente in Form kleiner Team-Events ein. Die Kollegen nehmen mit einer freiwilligen Spende daran teil.

Wieso habt ihr ein Tool entwickelt? Man hätte es ja bei comspace aufgrund der Mitarbeiterzahl wahrscheinlich auch „klassisch“ über Doodle oder Aushänge hinbekommen, oder?

Bei Spende dein Talent war es von vornherein so, dass alle Kollegen aufgefordert waren, ihre Ideen mit einzubringen. Darum geht es ja auch bei der Methode.
Kein Wunder also, dass bei einer Digitalagentur eine Plattform herauskommt, die die Organisationsprozesse vereinfacht und den Content für Suchmaschinen und Social Media aufbereitet.

Außerdem ist auch uns die authentische Außendarstellung unser Arbeitgebermarke wichtig. Als mittelständisches IT Unternehmen bemerken wir sehr stark die Megatrends im Arbeitsmarkt. Die Plattform – das sind halt wir, sie kommt aus der Praxis und ist für die Praxis.

Zudem ist es für uns auch ein Herzensprojekt, von dem wir überzeugt sind, dass auch andere Unternehmen davon profitieren. Vernetzung und Digitalisierung ist kein Thema, dass nur die Digitalbranche betrifft. Über die Plattform können wir es anderen Unternehmen so einfach wie möglich machen, ebenfalls an Spende dein Talent teilzunehmen.

 

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Hanna Drabon und Tilmann Missfeldt von comspace sind die  Paten Plattform                „Spende dein Talent“. (Fotocredit: Daniel Blohmeyer)

 

Wie wurde die Idee bei euch eingeführt? Gab es ein Event oder ähnliches dazu? Wie war die Reaktion der Kollegen?

Es gibt verschiedene Wege die Aufmerksamkeit auf den Start zu lenken. Bei comspace haben wir die Methode zeitgleich mit dem Start entwickelt und dann war es vor allen Dingen Teamarbeit.

Eine Kollegin aus der PR und unsere Feelgood Managerin waren die ersten, die direkt ihre Ideen mit einbrachten. Anschließend haben wir die Kollegen über die interne Community abgeholt.

Dann kamen auch schon direkt die ersten Eventideen: Eine Kollegin aus der Web-Entwicklung hat Waffeln gebacken. Der leckere Duft am Nachmittag ist die beste Werbung! Als das Prinzip allen klar war, ging es direkt weiter mit einem neuen Kollegen, der eine Laufgruppe angestoßen hat, usw…

Wir haben aber auch Unternehmen gesehen, die Plakate geklebt haben oder erstmal nur 2 Wochen lang heimlich Puzzlestücke auf den Schreibtischen der Kollegen verteilt haben, bis diese sich zu einem Flyer zusammengesetzt haben. Bei uns gab es zur Einführung der Wissenstransfer-Show 42 einen Wodka mit Namen 42 im Kühlschrank. Das fällt auf 🙂

 

Gib mir mal einen Blick ins Nähkästchen: Welche Kurse könnte ich bei comspace so besuchen und wofür würde das Geld gespendet? ☺

Ui, die sind sehr unterschiedlich. Von Fahrradreperaturwerkstatt über Meditationskurs, Super Mario Kart Abend, Wandergruppe, Rollenspielabend, Museumsbesuch, Serienabend, Lagerfeuergitarre. Einmal hat ein Kollege einen ganzen Dönerspieß mitgebracht! Ich freu mich auch auf “Musik machen mit Gameboy”… Unser Nähkästchen ist wohl recht nerdig 😀

Es finden aber auch fachliche Themen Platz, wie bei der Wissenstransfer-Gameshow “42”. Da haben die Kollegen mit Design Thinking Workshops, Vorträgen über Verschlüsselung von Daten bis zur Versionsverwaltung sehr tiefgreifendes Wissen miteinander geteilt. Das ist für unsere Innovationsprozesse wirklich ein Geschenk.

 

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In der Mittagspause mit den Kollege in die Kunsthalle und sich dort vom fachkundigen Kollegen ein wenig in Kunstgeschichte auffrischen lassen: Bei comspace normal.   (Fotocredit: Daniel Blohmeyer)

 

 

Wie geht ihr bei comspace mit den Spenden um?

Jeder kann einen Vorschlag einreichen für was gespendet werden soll. Wir stimmen dann demokratisch ab. Das erhöht auch noch einmal die Verbundenheit. Nachdem wir für Nepal gespendet haben, haben wir uns als Bielefelder Unternehmen mehr auf lokale Einrichtungen fokussiert. Aber auch hier gab es einen persönlichen Bezug zu einem Kollegen.

 

Kam die Idee, mit der Plattform „nach draußen“ zu gehen von euch als comspace oder gab es konkrete Anfragen von anderen Unternehmen?

Nach dem wir den Personalmanagement Award des Bundesverbands der Personalmanager für Spende dein Talent erhalten haben, war uns schnell klar, dass auch andere Unternehmen die Vorteile für sich nutzen können. Die Anfragen kamen tatsächlich relativ schnell. Zwar ist die Methode mit Zettel und Stift auch möglich – jedoch bei großen Organisation oder mehreren Standorten aufwändig.

Um so viele Mitmacher wie möglich zu gewinnen, wollten wir die Vorteile für das Unternehmen erhöhen, sodass diese ihre Mitarbeiter langfristig bei der Teilnahme unterstützen. Daher gibt es auf der Plattform ein Unternehmensprofil, auf dem die Unternehmen authentisch ihre Unternehmenskultur mit den Events vorstellen können. Das ist für Bewerber durchaus interessant einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

 

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Sarah Biendarra von comspace


Wie viele externe Nutzer gibt es momentan und wie setzen sie eure Plattform ein? Ist es immer dieselbe Idee wie bei comspace?

Die Plattform haben wir erst vor 6 Wochen gelauncht, haben aber bereits Zusagen von Unternehmen, die auf der Plattform starten wollen. Bei der Entwicklung haben wir stark darauf geachtet, dass die Plattform zwar die Methode unterstützt aber gleichzeitig genug Freiraum lässt für die individuelle Kultur eines jeden Unternehmens.

Die Gründe bei Spende dein Talent mitzumachen sind sehr unterschiedlich. Einige wollen Innovationen durch neue Vernetzungen fördern, andere die Kollegen zu mehr Sport motivieren, wieder andere möchten einfach den motivierten Kollegen eine Möglichkeit geben sich einzubringen. Das Spenden steht für viele nur am Anfang, um die neuen Vernetzungen und das intrinsische Teilen von Wissen in ihrer Kultur zu verankern.

 

Was sollte ich beachten bzw. worüber sollte ich mir Gedanken machen, wenn ich „Spende dein Talent“ gerne im eigenen Unternehmen ausrollen möchte?

Spende dein Talent ist eine Methode um innerhalb des Unternehmens in Kommunikation zu kommen. Daher lohnt es sich dort einen genauen Blick darauf zu werfen, wie denn wirklich in einem Unternehmen kommuniziert wird. Bspw. Flurfunk ist eine der stabilsten Kommunikationsformen. Das ist ein großes Potenzial, wenn wir diese Kommunikation auf die Stärken und positiven Seiten der Kollegen und des Unternehmens lenken.

Aus unserer Sicht macht es Sinn, auch bei der Einführung bereits die informelle Ebene zu berücksichtigen. Wie und wo wird denn wirklich in Ihrem Unternehmen kommuniziert?

Manchmal ist die Raucherecke informativer als jeder Konferenztisch und das eine Büro verteilt mehr Informationen als jede Rundmail. Diese Kommunikationspunkte sollte man gleich zu Beginn wahrnehmen und bei der Einführung mit einbeziehen.

 

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Das Fahrrad unter Anleitung eines technisch versierten Kollegen Frühlingsflott machen: Könnte ab März der Rennerkurs bei „Spende dein Talent“ werden! (Fotocredit: Daniel Blohmeyer)

 

 

Ab wie vielen Mitarbeitern empfehlt ihr die Nutzung eures Tools? Gibt es auch eine Begrenzung nach oben hin?

Die Vorteile sind einfach: durch die digitale Plattform ist es wesentlich einfacher, die Methode zu organisieren und authentisch die Kultur zu präsentieren. Jedem Unternehmen, dass das möchte empfehlen wir das Tool- ohne Beschränkung nach Mitarbeiterzahl.

 

Wurde euer Tool auch schon zweckentfremdet? Bekommt ihr immer mit, was damit in anderen Unternehmen passiert?

Es gibt schon sehr individuelle Ziele. Beispielsweise tritt bei einigen Unternehmen das Spenden schnell in den Hintergrund, da sie vor allen Dingen die neuen Vernetzungen schätzen. Das sehe ich aber nicht als zweckentfremdet an, sondern als weiteren Benefit der Methode.

 

Wie haltet ihr bei comspace das Interesse an „Spende dein Talent“ wach?

Natürlich sind das immer wieder Wellen. Der Organisator kann diese aber auch motivieren durch bspw. Mottos oder Themen (Neujahr eignet sich hervorragend für Sport 😉 )

Außerdem können spezielle Events, wie die Spendenübergabe des Kollegen mit den meisten Talenten o.ä. noch mal die Methode in den Vordergrund rücken. Zudem sind einige Events durch ihre Regelmäßigkeit ganz selbstverständlich in unseren Alltag übergegangen, was uns natürlich freut.

 

Was wurde aus dem ersten Projekt, das ihr unterstützt habt?

Aus den 3 Zelten, die wir als Schulersatz nach Nepal spenden wollten, sind vor Ort 93 Schlafsäcke geworden. Vor 3 Wochen war ich dann selbst in Nepal zur Hochzeit des Bekannten eingeladen und konnte vor Ort sehen was für ein tolles Land das ist.
Ich muss sagen es hat mich wirklich stolz gemacht zu wissen, dass ich mit Menschen zusammenarbeite, die mit mir solche Werte teilen.

 

„Ich muss sagen es hat mich wirklich stolz gemacht zu wissen, dass ich mit Menschen zusammenarbeite, die mit mir solche Werte teilen.“ Hanna Drabon, comspace

 

 

Wenn ich jetzt dringend mehr erfahren möchte zu eurem Tool, wie mache ich das am besten?

Die Plattform und die wichtigsten Infos sind unter https://www.spende-dein-talent.de/ zu finden. Richtig Spaß macht die Plattform aber nur im eingeloggten Zustand mit den Kollegen. Daher haben wir Videos für das erste Reinschnuppern in unserem Blog veröffentlicht. https://blog.spende-dein-talent.de/plattform-zur-gestaltung-ihrer-unternehmenskultur/

Ansonsten freue ich mich über deine Mail! Hanna.drabon@spende-dein-talent.de


Nochmal lieben Dank nach Bielefeld für die Zeit und Offenheit!

Alle Fotos sind von Daniel Blohmeyer – u.a. auch im Rahmen eines Fotoworkshops entstanden, den man auf Spende dein Talent bei comspace buchen konnte.

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